Zweite Fortsetzung der Dokumentation der Kontroverse im Vorfeld der diesjährigen Ferienakademie (FA) der Rosa Luxemburg-Stiftung (RLS) und Fortsetzung der Analyse
In Rahmen der Diskussion um das Programm der diesjährigen FA der RLS ist das Neue Deutschland (ND) dem Ruf der Bundestagsabgeordneten Hüseyin Aydin, Wolfgang Gehrcke, Monika Knoche und Norman Paech gefolgt. Dies ist einer am 15.07.2009 im ND veröffentlichten Berichterstattung über den Diskussionsverlauf zu entnehmen.
Das ND definiert sich als „eine professionell gemachte Tageszeitung, die mit linkem Ideengut über den Tellerrand des journalistischen Alltags hinausdenkt“. Den Teller interpretiert ND-Autorin Susann Witt-Stahl offenbar als einen, von dem man guten Journalismus löffelt.1 Tatkräftig und munter löffelt sie so weit über den Rand hinaus, dass man sich an ihrer Suppe erbrechen könnte.
Ihr Text trägt den Titel „Ferienakademie – kein offener Kanal für Rassisten“ und den Untertitel „Linke Stipendiaten der Rosa Luxemburg Stiftung proben den Aufstand gegen »antideutsche« Neocons“. (Für Nichtabonnenten der sozialistischen Tageszeitung ist der Zugriff auf den ganzen Artikel kostenpflichtig.) Die Autorin versucht sich hier an einer Zusammenfassung des bisherigen Diskussionsverlaufs, und lässt dazu folgende Informationen einfließen (Auswahl!):
- Stephan Grigat, Thomas von der Osten-Sacken und Sebastian Voigt seien neokonservative Antideutsche. „Kritische Linke“ beklagten, hiermit werden „ausnahmslos rigorose Befürworter von völkerrechtswidrigen Angriffskriegen als Referenten der Ferienakademie zum Themenkomplex Israel-Palästina-Iran zu Wort kommen. Voigt ist führender Kopf im BAK Shalom der Linksjugend Solid, welcher im Januar für die Bombardierung des Gaza-Streifens demonstriert hatte [sic] . […] Bereits in den Vorjahren sei diese Gruppierung in der RLS durch ein »dominantes ausgrenzendes Auftreten« gegenüber Andersdenkenden aufgefallen [sic] und habe versucht, sie durch willkürliche Antisemitismusvorwürfe mundtot [sic] zu machen. Es sei auch immer wieder zu »offen rassistischen und kriegstreiberischen Äußerungen« [sic] gekommen. […] Grigat und Osten-Sacken schreiben nicht nur für das Hardliner-Organ Bahamas [sic], dessen Redakteure den französischen Faschisten Jean-Marie Le Pen für seinen Kampf gegen den Islam würdigen [sic]. Beide – wie auch Sebastian Voigt – publizieren in dem Online-Netzwerk Die Achse des Guten, das sich durch seine antikommunistischen und (kultur)rassistischen Hasstiraden einen Namen [sic] im neokonservativ-rechten Spektrum [sic] gemacht hat.“
- „In Gegenwart dieser Personen könne er [sic] sich »als jüdisch-israelischer Linksaktivist« nicht mehr »sicher fühlen«, schreibt der Publizist Yossi Bar-tal und kündigt an, der Veranstaltung fern zu bleiben.“
- „Vorwiegend sind arabische und dunkelhäutige Menschen Ziel »antideutscher« Aggressionen [sic].“
- der AK Antisemitismus weise darauf hin, die Kritik „basiere auf »Unwissenheit und Fehlanalyse« oder »Demagogie«“. Unterstützung habe er „von einzelnen Stipendiaten [erhalten], die darauf hinwiesen, dass es für die Veranstaltungen der »Antideutschen« [sic] schließlich »keinen Besuchszwang« gebe.“
Unter dem Deckmantel neutraler Berichterstattung wählt Witt-Stahl Informationen (siehe „Ich fass’ es nicht“ und „Der Tragödie zweiter Teil“) aus und bringt diese auf eine ganz neue Weise in ein harmonisches Miteinander: Beispielsweise werden die Argumente von StipendiatInnen außerhalb des AK Antisemitismus gegen die Kritik an seiner Referentenauswahl quasi zu Argumenten des AK selbst. Aus der Stellungnahme des AK wird Nebensächliches zitiert, der AK wird damit zu einer Art Quacksalberverein ohne Argumente. Umgekehrt zitiert man den externen Autor (siehe „Ich fass’ es nicht“) mit einer der wenigen freundlichen Aussagen seines Traktats vom 10.07.2009, und dieser wirkt damit in Witt-Stahls Artikel auf naiv-unschuldige Weise sympathisch. Selbst die Überzeichnungen derer, die das Programm der FA kritisieren, werden neu formuliert. Die Vermutung eines Stipendiaten, einige Menschen könnten sich womöglich in der FA-Atmosphäre nicht wohl fühlen, überträgt Witt-Stahl auf den Stipendiaten selbst. Aus Referenten der RLS schließlich werden durch ungenügende Quellenrecherche und laxe Ausarbeitung so etwas wie antideutsche, ultrarechte Hassprediger: stille Post auf überregionalem Niveau.
Wäre der Diskussion nicht eine solche Brisanz zueigen, könnte man die Berichterstattung Witt-Stahls über ihr Thema als „Anfängerfehler“ abtun; denn ihr und ihren LektorInnen im ND ist die Auseinandersetzung damit offenbar noch neu. (Andernfalls wäre z.B. nicht fortwährend der Vorname Stephan Grigats falsch geschreiben.) Ein Grund mehr, die Validität der Aussagen mitsamt der Positionierung des ND zu diesem Thema in Frage zu stellen.
- Welch wunderbare Metaphern da entstehen, wenn man dies weiter denkt. Dieses Geschenk des Neuen Deutschland nehme ich dankbar an. [zurück]


Neu, ist Witt-Stahl die Auseinandersetzung nun wirklich nicht. Die ist nur unbelehrbar. Siehe hier:
http://mcguffin.blogsport.de/2008/06/16/anie-wieder-hegde-fonda-a-artiges-zum-wunsch-in-der-linkspartei-ihre-antizionismuskritikerinnen-wieder-loszuwerden/