„Vorreflexiver Antiimperialismus nach rechts“

Bericht über die Geschehnisse im Rahmen der diesjährigen Ferienakademie (FA) der Rosa Luxemburg-Stiftung (RLS)

Halbzeit bei der diesjährigen Ferienakademie (FA) der Rosa Luxemburg-Stiftung (RLS). Relativ passiv mussten AK Rechtspolitik & Menschenrechte und AK Internationalismus (AK MR-I) in den letzten Wochen zusehen, wie die RLS sich – ganz anders, als Susann Witt-Stahl noch im Juli via Neues Deutschland berichtet hatte – entschied, die durch den AK Antisemitismus Analyse & Kritik eingeladenen Referenten nun doch ungestört das sagen zu lassen, was sie zu sagen haben.
Was jetzt wurmt, ist nicht nur das Wissen der AK MR-I darüber, in einer für beide so dringlichen Situation nicht die Ausladung der Referenten erreicht, sondern überdies ebenfalls das Wissen über den Erfolg, eine „Qualitätskontrolle“ aller für zukünftige FAen vorgeschlagenen Vorträge durch ein Stiftungskommitee (ergo: die Eingrenzung der eigenen Freiheit) erwirkt zu haben.

Einige verzweifelte Versuche der AK MR-I, die Diskussion um die Ferienakademie noch einmal große Wellen schlagend aufleben zu lassen, um den öffentlichen Druck auf die Stiftung wiederzubeleben, scheiterten – zum Frust der AK-Mitglieder. Die jahrealte Debatte interessierte öffentlich, nach dreimonatiger Neuauflage, wohl niemanden mehr wirklich. Dieses Mal konnte auch die junge Welt nicht mehr helfen, die zum Start der FA am Montagnachmittag offensichtlich nichts weiter zu drucken hatte als Paraphrase und – in weiten Teilen – wörtliche Übernahme alter Empörung.

Des Scheiterns bittere Erkenntnis: Abgeflauter Wirbel wird nur durch Einrichtung noch größeren Wirbels wieder interessant. Und somit blieb den ebenfalls empörten, aber friedfertigen AK MR-I am Vorabend des ostensackschen Vortrags (16.09.2009) nichts weiter übrig als das stille Auslegen von Flyern auf den Esstischen, sowie die – nicht minder zum Scheitern verurteilte – Idee, innerhalb der RLS einen AK Antiimperialismus zu gründen.

Neues allerdings hatten auch die AK MR-I mittels Flyer nicht zu sagen, daher blieb dieser allein durch seine Farbgestaltung Aufmerksamkeit erregend. Und schon die Auswahl der Eingangszitate verrät uns einiges darüber, wie wenig beide AK in Sachen logisch korrekter Argumentation dazu gelernt haben. Daher: geschenkt.

Eine offenbar spontan verfasste Antwort auf die Positionen beider AK hing, leider ohne Autornamen, seit dem heutigen 17.09.2009 im Venue der diesjährigen FA aus und soll an dieser Stelle zitiert werden:

„Thesen zu einer Diskussion

Die „Lösung“ des sogenannten „Antideutschen Problems“ durch den vorreflexiven Antiimperialismus ist nur nach rechts möglich.

Wenn sich gewisse Strömungen eines vorreflexiven Antiimperialismus (der sich die Reflexion nur gezwungenermaßen anheftet) immer wieder ablehnend gegenüber ‚anti-deutschen‘ Linken äußern, während sie zugleich weder mit ihnen reden noch ihnen zuhören wollen, erklärt dies zwar die eklatante und schamlose Missrepräsentation ihrer Ansichten als Uninformiertheit, zeigt aber auch, dass nicht argumentiert werden soll, sondern auf nackten Machtgewinn spekuliert wird.

Intellektuell mag der vorreflexive Antiimperalismus nicht viel geleistet haben. Sich deshalb um seine Produktion nicht zu sorgen und ihr keine widersprechende Produktion entgegenzusetzen, wäre ein fataler idealistischer Fehler, denn seine Diskurshoheit und die Verengung des diskursiven Möglichkeitsraumes, des Denkmöglichen in der RLS, wird nicht durch intellektuelle Brillianz, sondern durch die physische Dichte seiner Aktivitäten geleistet, durch intellektuell skrupellose Machtpolitik, Denkverbote (‚Schaut euch die Veranstaltungen nicht an‘, bildet euch keine eigene Meinung, übernehmt einfach unsere!) und die Gewaltdrohung, welche die Diskussionsweigerung schon belebt. Wenn mit der ‚anti-deutschen‘ Linken nicht diskutiert werden soll, dann muss sie halt nur noch irgendwie weg! Diese Lösung des „Antideutschen Problems“ ist nur nach rechts möglich.

Wenn gewisse Strömungen eines vorreflexiven Antiimperialismus in der RLS laut nach der „Lösung des anti-deutschen Problems innerhalb der RLS“ rufen, dann können sich diese Strömungen nun endlich auch offiziell in einer Querfront mit der NPD wissen, die ebenso ‚die Antideutschen aus Deutschland hinwegfegen‘ will und, Obacht, nun auch eine Studienstiftung in Aussicht hat.

Wenn solche ‚Linken‘ uns schon vereinzelt bekannt gemacht haben, dass sie die strittigen Referenten für „eigentlich schlimmer als Nazis“ halten – ein Antiliberalismus, der sich eines historischen Irrtums der dreißiger Jahre (Sozialfaschismusvorwurf) auf eklatante Weise nicht bewusst ist – dann sollten sie vielleicht die Studienstiftung wechseln.

Wenn die aufrufenden AKs, noch bevor sie den einladenden AK selbst adressierten, den Souverän, d.h. den Stiftungsvorstand, anriefen, er möge die unbequemen Referenten doch bitte ausladen, spricht dies Bände über den Stand des autoritären Bewusstseins jener AKs.

Wenn sich die AKs, die sich nun in einem AK Antiimperialismus gegen die reflexive Rettung (!) des Antiimperialismus durch die ‚anti-deutsche‘ Linke zusammenschwören, in einer Mail an den einladenden AK Antisemitismus (Analyse u. Kritik), in der sie ihre Gründe für ihre Ausladungsforderungen anführen, ein Zitat von Sebastian Voigt für problematisch befinden, das davon handelt, dass die ‚Errungenschaften der bürgerlichen Gesellschaft gegen ihre negative Aufhebung zu verteidigen (seien), da nur unter dieser Voraussetzung eine emazipierte Gesellschaft in Zukunft überhaupt vorstellbar ist‘ (m.H.), dann spricht dies entweder von einer völligen Geschichts- und Begriffsvergessenheit und/oder von Stalinismus. Der Geist Hitlers und der Geist Stalins sagen sich im Nebel dieser Geschichtsvergessenheit immer noch gute Nacht. Nur reichen sie sich die Hand diesmal über der reflexiven Linken. Was endlich steht der Querfront mit der NPD also noch im Weg?

Wenn sich Stipendiaten der RLS in lokalen Blättchen der Linken über die Ablehnung der Hamas als legitimen Verhandlungspartner erregen, obwohl diese ‚doch demokratisch gewählt‘ sei, dann spricht das von einer nicht minder großen Geschichtsvergessenheit. Die Hamas formuliert in ihrer Charta eine unmissverständliche Vernichtungsabsicht. Welche Schlüsse aus ihrer mehrheitlichen Wahl lässt dies also zu?

Die Unterschätzung des islamistischen Problems, die auch aus dem jüngsten Aufruf spricht, krankt daran, dass sie sich unfähig oder (aus machtpolitischen Gründen) ungewillt zeigt, zwischen „Rassismus“ und Religionskritik zu unterscheiden. Ersterer ist durch den Universalismus der reflexiven Linken verboten, letztere durch eben diesen geboten.

Die praktische Konsequenz des jüdischen philojudaistischen Antijudaismus ist die Selbstaufgabe, und das heißt die Vernichtung Israels. Der jüdische philojudaistische Antijudaismus ist der Hass ‚linker‘ Juden auf Israel, weil dieses dem überhöhten Anspruch, den sie ans erwählte Volk haben mögen (nämlich eine nicht wehrhaft liberale Gesellschaft schon jetzt zu realisieren) nicht entspricht.

Der egalitäre Universalismus lässt sich nicht mit einem billigen Philosemitismusvorwurf abfertigen, selbst wenn es so sein sollte, dass die historische Singularität des monotheistischen Judentums die Idee des egalitären Universalismus hervorgebracht habt.

Wider die regressive Aufhebung der ‚anti-deutschen‘ Intervention!“


1 Antwort auf „„Vorreflexiver Antiimperialismus nach rechts““


  1. 1 BlackBloc » Ferienakademie der Rosa-Luxemburg-Stiftung: Rückblick Tag 5 Pingback am 03. Oktober 2009 um 19:30 Uhr

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