„Gegen Nazis!“ – Kurzplädoyer über das Wie der Freiheit

Deiner Ordnung, Fehlberechnung, Bildungslücke
entspringt Dein Gott, in Deinem Fall: die Barbarei.

Wenn jemand, den wir z.B. als Otto Normalbauchlinker erkennen, brüllt: „Gegen Nazis!“, dann heißt das in etwas gewähltere Worte übersetzt: „Gegen Nationalisten, Faschisten, Rassisten und andere Dogmatiker analoger Ideologien.“
Linke stimmen dem gemeinhin zu und erweitern die schier endlose Liste ausgespähter zu kritisierender Phänomene nach eigenen Prioritäten, manchmal ad libitum. Eine etwas abstrakter formulierte Parole über das Gemeinte: gegen die Diskriminierung einzelner Menschen auf Basis einer unterstellten Zugehörigkeit zu einer unterstellten Gruppe.
Die sehr heterogene Linke fordert im Großen und Ganzen die Auflösung aller entsprechenden Vorurteile zu Gunsten der vollkommenen Anerkennung jedes einzelnen Menschen als Mensch durch jeden einzelnen zweiten Menschen; sie fordert die Möglichkeit jedes einzelnen Menschen zur tatsächlich freien Bildung der eigenen Persönlichkeit.

Die Durchsetzung der Forderungen sieht man garantiert innerhalb eines Systems, das die hierfür notwendigen Voraussetzungen sicherstellt; ein System z.B., das die Menschen von der Religion, vom Eigentum und vom Egoismus des Gewerbes befreit. Wie es den Anschein hat, verlässt man sich dabei auf die Zuversicht, die Stunde eines solchen Systems werde schon in absehbarer Zeit kommen. Und wartet geduldig ab, dass der absolute Zustand eintreten werde, der den – seit etwa 500 Jahren bestehenden – Status Quo zum Kippen bringt und die Einrichtung des (eben auch nur postulierten) paradiesischen Endzustands erzwingt. Über die Frage, wie nun dieser genau eingerichtet sein wird, diskutiert man seit immerhin erst gut 1 1/2 Jahrhunderten. Wer heute in entsprechende Diskussionen hinein horcht, erfährt von vielen Ideen, bis hin zu den absurdesten, die z.T. nur paradigmatische Änderungen über die Art und Weise der Menschenverachtung beinhalten. Ähnlich vielfältige und originelle Vorstellungen gibt es über den Weg zur Umwälzung des Status Quo. Bisher offenbar allesamt, einschließlich der revolutionärsten unter ihnen, ungeeignet.

Ironischerweise sind es einzelne Menschen, die sich gegen die vollkommene Anerkennung der Menschen durch Menschen richten, dies immer im Hinblick auf den von ihnen verurteilten Lebensentwurf von als anders betrachteten Menschen im Rahmen des Möglichen. Motiviert ist dieser Widerstand entweder durch Böswilligkeit oder durch die aus Fehlinformation resultierende Angst vor dem Anderen.

Es mag der längste Weg zur vollständigen Anerkennung jedes Menschen durch jeden Menschen sein, mit größter Geduld der Fehlinformation auf den Grund zu gehen und diese durch Information zu ersetzen, doch handelt es sich hierbei auch um den einzigen den eigenen Forderungen entsprechenden Weg. Die Ablehnung der Diskussion mit Verfechtern konkurrierender Ansichten, ein einander aus dem Weg gehen, eine Diskussionsreduzierung auf den gegenseitigen Austausch inhaltsleerer Vorwürfe, die Isolierung der eigenen politischen Gruppe zum Gespräch und ähnliche Habitus bringen uns nicht nur kein Stück weiter. Strategien solcher Art wirken effektiv kontraproduktiv.

(To be continued.)


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