Vergleichbares:
I. Kuchen und Welt
vs. 
II. Wasser und nichtnewtonsche Flüssigkeit
vs. 
III. Tisch und Elefant
vs. 
Grundsätzliches:
Der Vergleich ist eine Methode, die uns hilft, Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten der Vergleichsgegenstände zu erarbeiten, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Praktisch alles ist vergleichbar, soweit nur gleichzeitig Verschiedenheit und Ähnlichkeit der Gegenstände vorliegen. Der Vergleich stellt nicht eine Gleichung der Form x=y auf, sondern setzt x und y in ein Verhältnis. Nicht zuletzt hierin unterscheidet er sich von der Identifizierung. Geradezu: Die Tatsache, dass der Vergleich als Untersuchungsmethode überhaupt in Frage kommt, setzt voraus, dass nicht zwei identische Gegenstände vorliegen. (Dies wäre, übrigens, ein Ding der Unmöglichkeit.)
Aus gutem Grund bezeichnen wir nicht das Phänomen Islamfeindlichkeit als Antisemitismus. Aus gutem Grund differenzieren wir bereits bei der Benennung zweier veschiedener Phänomene.
Wenn ich also meinen Tisch mit einem Elefanten vergleiche, bin ich bzw. werde ich mir z.B. im Klaren darüber, dass der Elefant im Verhältnis zum Tisch extrem belebt ist. (Wenn ich aber den Elefanten als Tisch benutzen wollte, könnte man mir gut vorwerfen, die Sache mit der Belebtheit nicht recht einkalkuliert zu haben.)
Allein die Tatsache der Anstellung eines Vergleichs zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit begründet nicht einen Vorwurf der Shoahrelativierung.


Das ist ja alles schön und gut, allerdings: Den meisten Vergleichenden geht es aber meinem Eindruck nach eben nicht um eine wertfreie Untersuchung (wie oben eingefordert) der himmelweiten Unterschiede, sondern um die Hervorhebung der (vermeintlichen) Ähnlichkeiten. Was einerseits plumpen Rassismus zu einem dem Antisemitismus ähnlichen Konstrukt erhöht, andererseits aber natürlich die Singularität des Phänomens „Antisemitismus“ ankratzt, ja, ankratzen soll. Für „Islamkritiker“ à la PI reichen die vorhandenen Labels „Rassismus“ und „(tertiärer?*) Antisemitismus“ vollkommen aus, eine Nutzbarmachung des apologetischen Kampfbegriffs „Islamophobie“ durch leichte Umdeutung ist hier kontraproduktiv.
Das „tertiär“ soll übrigens nicht bedeuten, ich würde hier jetzt eine neue Form des Antisemitismus ausmachen. Vielmehr handelt es sich um ein relativ altes Verhältnis zum (imaginierten) Juden. Es ist nur eben definitiv nicht der so genannte „sekundäre Antisemitismus“, der aus PI spricht.
„sondern um die Hervorhebung der (vermeintlichen) Ähnlichkeiten. Was einerseits plumpen Rassismus zu einem dem Antisemitismus ähnlichen Konstrukt erhöht, andererseits aber natürlich die Singularität des Phänomens „Antisemitismus“ ankratzt“
Womit du dem Text ja grundsätzlich widersprichst.
„Plump“ vor Rassismus zu setzen ist auch ne unschöne Form der Verharmlosung, kling wie dumpf gepaart mit Ewiggestrig, wenn der Leitartikel mal wieder die Einhaltung der FDGO anmahnt.
Dass Rassimus einfach so als „Label“ (oh je) ausreichen sollte, halte ich für gewagt, setzte es doch eine einheitliche Definition voraus, die auch noch den Kniff leisten könnte, relativ neue zeitgenössische Phänomene als Wiederkehr des alten zu entlarven. (Geht nicht, sag ich gleich, ohne das es nichtssagend wird – vielleicht besser Plural?).
Ob Islamophobie ein tauglicher Begriff ist, bliebe diskussionwürdig, dass er als kritischer nur umgedeutet verwendet werden kann, ist selbst schon kampfbegrifflich, vielleicht auch apologetisch.
Und bitte!, nie wieder tertiärer Antisemitismus schreiben. Danke.