„Auf Wiedersehen Earl.“

Sexualisierte Gewalt im linkem Verhaltenskodextitelt der offensichtlich eigens für diesen Artikel eingerichtete Blog Goodbye Earl seit gestern. – „Nanu“, denken wir da, „sexualisierte Gewalt legitimiert durch eimem limkem Verhaltenskodex?“ – Eben nicht, stellt der Artikel klar fest und erzählt dann die Geschichte von der (inzwischen erledigten) Beziehung von F und X, innerhalb derer es zu einem Skandal gekommen sei: F (männlich) habe X (weiblich) erst psychisch terrorisiert und dann vergewaltigt. Die Angehörigen aller Kreise, in denen F unterwegs ist, sind nun durch den Blog aufgerufen, Fs soziales Leben zu ruinieren.
Die Berichterstattung von Goodbye Earl ist bemüht um eine sachliche Darstellung bzw. um die Suggestion derselben – und scheitert darin kläglich. Zu einem ordentlichen Aufruf gehört aber eben nun mal ein einschlägiger Stil, und daher liest sich jeder Satz wie eine eigene kleine Anklage. Detailliert geschildert wird auch die persönliche Motivation der Protagonisten in jeder umrissenen Situation. Ja, beinahe jeder einzelne Gedanke Fs wird gelesen, angeführt, linksemanzipativ analysiert und – weil ausdrücklich abzulehnen – ordentlich verurteilt. Schließlich steht es so, dass die „Folgen die betroffene Frau bis heute im Alltag noch stark belasten und sie massiv in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken.“ Und weil Privates politisch sein muss, wird F nun öffentlich die Folgen dieses Politikums, sprich: seine gerechte Strafe, tragen müssen. (Ein Nebeneffekt der Schilderung Goodbye Earls übrigens ist hervorgerufen durch die Erzählweise „Rotkäppchen versus Wolf“, das rein Gute gegen das rein Schlechte: X wird reduziert auf die Form etwa einer tumb-naiven Gans.)
Goodbye Earl führt zahlreiche Beispiele an für das Fehlverhalten Fs gegenüber X. Anders verhält es sich mit dem Höhepunkt Vergewaltigungsvorwurf: „Konsequenz dieser neuen Qualität von psychischer Gewalt und Verachtung wurde, dass F. eines Abends im Februar 2009 als Potenzbeweis und Bewältigungsversuch, gegen den Willen und ungeachtet ihrer Regungslosigkeit von X mit ihr schlief.“ Damit gibt Goodbye Earl nicht nur Einsicht in die Abgründe seines Ausdrucksvermögens, sondern auch – und vor allem – in die Unsicherheiten des Falls. Ergebnis: Per in dubio pro Anklägerin ruft der Blog auf zur Ausgrenzung eines Schuldigen oder Unschuldigen. Doch Beleg hin oder her: Eine Frau muss offensiv geschützt werden, auch wenn es Zweifel an der Schuld des Beschuldigten gibt. Der Fall liegt nach Befund der Empörten eindeutig, weil sich die Darstellungen Fs und X’ widersprechen. Ohne den Vorwurf im Entferntesten zu hinterfragen, spricht man von X als Opfer. Dies also fordert offenbar der linke Verhaltenskodex.
Zur Verhängung und Ausführung effektiver Strafen nach erfolgreicher Selbstjustiz können die vorhandenen Strukturen genutzt werden: Eine versammelte Mannschaft solidarisiert sich mit X und sorgt dafür, dass F auf sozialer Ebene büßen wird. Schließlich spielt sich, wer sich dem Lynchmob verweigert, ebenfalls ins Aus. Wer ob der Nichtbeweisbarkeit der Vergewaltigung zögert, dem Beschuldigten ins Leben zu rotzen, dem entzieht man auf Grund dessen die Verfügbarkeit über die Strukturen der Szene. Es schickt sich eben nicht, sich von einer unsicheren Sachlage nicht überzeugen zu lassen und in Folge dessen eine gegebenenfalls unschuldige Person auf Basis nicht belegter Behauptungen nicht zu diskriminieren.

Übrigens, liebe Goodbye Earls: Es ist sehr lobenswert, den Namen einer nicht nachweisbar schuldigen Person in einer öffentlichen Berichterstattung unkenntlich zu machen. (Auch wenn bereits die Kombination „F“ und „X“ allein tief blicken lässt.) Und doch: Einen direkten Hinweis auf Identitäten zu geben und es damit jedem noch so Beschränkten zu ermöglichen, um der Gewissheit Willen selbst nachzugoogeln – wie verhält sich solches Handeln eigentlich zu einem wie auch immer gearteten linken Verhaltenskodex? Kreuzt an:
O Nicht ganz astrein
O Innerhalb der Grauzone
O Auge um Auge,…


4 Antworten auf „„Auf Wiedersehen Earl.““


  1. 1 beata landau 22. April 2010 um 13:50 Uhr

    interessant bei dem fall auch wieder die falsche auslegung des begriffs der definitionsmacht durch die gruppe „goodbye earl“. die defintionsmacht wird NUR genau dann wirksam, wenn ein nachweislich stattgefundenes ereignis von beiden parteien anderes gewertet wird. bsp.: a spricht von sex, b von vergewaltigung.

  2. 2 Hannibal Mo'k 23. April 2010 um 11:50 Uhr

    Dear beata landau,

    der Begriff „Definitionsmacht“ ist ein Unwort, das in der Linken mal so, und mal ganz anders verwendet Mittel der Sicherung eines verqueren Feminismus ist. Dieser ermöglichte die Herausbildung eines Antisexismus, dessen Inhalt man doch der Genauigkeit halber besser einen Namen geben sollte, der die erfolgte Kursänderung durch das Gutgemeintsein in die exakte Gegenrichtung der kritisierten Zustände transportiert. So weit, so gut.

    Darüber, wovon nun aber A oder B gesprochen haben oder nicht, können sich außen Stehende kein Urteil erlauben: Der Artikel Goodbye Earls schließlich liefert allein einige Anhaltspunkte für Vermutungen. Z.B. hervorgerufen durch seine offensichtliche grobe Unsachlichkeit.
    Daher führt Dein Kommentar in die Irre: Ein Vergewaltigungsvorwurf bleibt Vergewaltigungsvorwurf, solang sich die Aussagen der direkt Beteiligten widersprechen. – Es sei denn, Du weißt es besser. Dann aber enthalte uns Deine Quellen nicht vor.

    Herzlich,
    dochBlog

  3. 3 Name (notwendig) 25. Mai 2010 um 16:42 Uhr

    Beweise, Beweise, Beweise.
    Da Frauen sich ja für gewöhnlich eine Vergewaltigung zur bloßen Demütigung der ihnen nahestehenden Männer einfallen lassen, sind natürlich ausschließlich objektive Beweise glaubwürdig. Videomitschnitte. Fotos von Blessuren. Zeug_innen. (Um es vorweg zu nehmen: Ich bin kein Mitglied der Gruppe Goddbye Earl).

  1. 1 „War ja zu erwarten.“ – Earl II « stoicism my ass. Pingback am 23. April 2010 um 15:57 Uhr
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